03.08.21

Kleine Zeitung: Projekt am Pressegger See auf Eis - Horrende Holzpreise sorgen für Stillstand

Holzbauunternehmer wie Christof Weissenseer kämpfen mit „unberechenbar hohen“ Holzpreisen. Immer häufiger werden Projekte gestoppt – oder überhaupt abgesagt. Der Bau der 72 geplanten Luxusappartements im Gailtal etwa wird auf unbestimmte Zeit verschoben.

 

(Original-Artikel Kleine Zeitung)

 

Christof Weissenseer ist in Bosnien, um für sein Holzbauunternehmen Brettschichtholz einzukaufen. Denn obwohl auch dort die Preise für Holz nach oben gegangen sind, ist es „um 30 bis 40 Prozent billiger“ als in Österreich, sagt der Chef des Greifenburger Holzbauunternehmens Weissenseer. „Mein Unternehmen ist im Zentrum von Holzunternehmen angesiedelt, und ich bin wirtschaftlich gesehen gezwungen, in Bosnien einzukaufen. Die Lkw fahren dann bei unseren benachbarten Sägebetrieben vorbei. Das ist alles andere als nachhaltig“, ärgert sich Weissenseer. Und er rechnet vor, dass er im Vorjahr Konstruktionsvollholz noch um 250 Euro eingekauft hat, jetzt sind es 950 Euro.

Preissteigerungen für Holz um 300 bis 400 Prozent seien im Rahmen von Projekten kostenmäßig nicht mehr verkraftbar. Viele Kunden würden deshalb schon jetzt auf Beton ausweichen, Projekte verschieben oder absagen. Eines davon, welches Weissenseer aufgrund der Größe hart trifft, ist jenes, welches am Südufer des Pressegger Sees im Gailtal geplant ist. Unter dem Namen „Luxury Lake Suites Premium Ressort“ sollen dort 72 Appartements entstehen und die neun Häuser von der Firma Weissenseer in Holzbauweise geplant und errichtet werden.

Jetzt liegt das Projekt vorerst auf Eis. „Durch die enormen Preissteigerungen beim Holz würden sich alleine die Baukosten von 12 auf mehr als 17 Milionen Euro erhöhen„, erklärt Christof Weissenseer. Erschwerend komme hinzu, dass es für die Finanzierung bei Projekten mit Holz derzeit gar keine Bankgarantie gebe, weil die Preisgarantie fehle. „Preisgarantien gibt es momentan zum Teil für nur eine Stunde. Wie soll man da kalkulieren?

 

Holzbau zahlt Hunderttausende Euro dazu

Die Konsequenz: „Bei vielen Projekten mit bestehenden Verträgen zahlen wir als Holzbauunternehmen zum Teil Hunderttausende Euro dazu. Alleine in unserem Unternehmen entstehen so heuer Mehrkosten in Höhe von 1,5 bis 3 Millionen Euro, die quasi direkt an die Industrie gehen, denn an die Kunden können die Mehrkosten bei bestehenden Verträgen nicht weiterverrechnet werden„, sagt Weissenseer.  Im Fall des Projektes am Pressegger See gibt es „angesichts der Mehrkosten von 5 Millionen Euro Gott sei Dank noch keinen Vertrag“. Denn auch darauf würde vermutlich bei einem bestehenden Vertrag mit Preisvereinbarung zu einem großen Teil der Errichter sitzen bleiben.

 

Keine neuen Verträge

Fakt ist, so Weissenseer, dass aktuell was künftige Aufträge anbelangt, alles mehr oder weniger still steht. Da keinerlei Preisgarantien seitens der Industrie bestünden, und sich stündlich alles ändern könne, könne man als Holzbauunternehmen auch nicht neue Verträge mit Kunden abschließen, in welchen fixe Preise stehen. Was spätestens im nächsten Jahr schlagend werde. Nicht nur bei großen Projekten, auch im Kleinen. „Für Häuslbauer sind Mehrkosten von 20.000 Euro ein Wahnsinn. Viele steigen deshalb auf Beton um, obwohl sie lieber mit Holz gebaut hätten„, sagt Weissenseer.

Alles andere als klimafreundlich sei auch die Tatsache, dass zig Container beladen mit Holz der österreichischen Holz-Industriebetriebe nach China und in die USA verschifft würden. Und das bei einem gewaltigen CO2-Ausstoß. „Die Sägeindustrieargumentiert den Preis mit Angebot und Nachfrage. Aber langfristig tut sie sich damit keinen Gefallen. Sie sollte vielmehr nachhaltig denken„, ist Weissenseer überzeugt. Und er versteht auch, dass viele Waldbauern mittlerweile sagen, dass sie für den Preis, den die Industrie ihnen für das Rundholz zahlt, nicht mehr in den Wald gehen. „Fair wäre es dann, wenn alle gleichermaßen profitieren.“

 

Genossenschaftlich organisieren

Einen möglichen kleinen Ausweg aus der Misere sieht Weissenseer darin, dass sich Holzbaubetriebe und kleinere Sägewerke genossenschaftlich organisieren. „Denn momentan casht nur einer ab – die Industrie.“

 

Original-Artikel abgerufen auf: https://www.kleinezeitung.at/wirtschaft/wirtschaftktnhp/6015037/Projekt-am-Pressegger-See-auf-Eis_Horrende-Holzpreise-sorgen-fuer